IFLA nimmt Stellung zur geplanten Reform des EU-Gesetzes über Digitale Dienste

Nach ausführlichen Debatten über die neue Urheberrechts-Richtlinie im digitalen Binnenmarkt und die Umsetzung in den Mitgliedstaaten der EU, will die Europäische Union nun ein Gesetzes über digitale Dienste (Digital Service Act) reformieren. Als ersten Schritt hat die Europäische Kommission daher zwei Entwürfe herausgegeben, um mit Hilfe von Onlinebefragungen Bereiche zu identifizieren, die von der Reform des Gesetzes über digitale Dienste abgedeckt werden sollen.

Im Hinblick auf die Regulierung der großen digitalen Akteure könnten die Reformen bedeutende Veränderungen im digitalen Sektor mit sich bringen, insbesondere die rechtlichen Regelungen in Bezug auf die Safe Harbor-Bestimmungen für Internetvermittler, die Fragen, wie auf „gefälschte Nachrichten“ zu reagieren ist, die Energieversorgungsunternehmen durch das Sammeln von Daten gewinnen können, sowie die Rechte und den Schutz der Verbraucher bei der Arbeit mit digitalen Diensten im Allgemeinen.

Daraus ergeben sich potenzielle Auswirkungen für Bibliotheken bei der Förderung der freien Meinungsäußerung und des Zugangs zu Informationen, der Medienkompetenz, der Ermutigung der Nutzer, ihre Kreativität online zu teilen, des Zugangs zu eBooks und möglicherweise der wachsenden Bedeutung von Daten in der wissenschaftlichen Kommunikation.

Die IFLA hat daher Antworten auf die beiden unten aufgeführten Entwürfe von Roadmaps vorgelegt, die von der Europäischen Kommission am 2. Juni 2020 auf den Weg gebracht wurden, und betont, dass sichergestellt werden muss, dass alle unternommenen Schritte die Fähigkeit der Bibliotheken, ihre Arbeit zu tun, eher unterstützen als beeinträchtigen.

Stellungnahmen des IFLA Commitee on Copyright and other Legal Matters vom 1. Juli 2020

Juni-Newsletter der IFLA-Sektion Library Services to Multicultural Populations

Der Newsletter der IFLA-Sektion für interkulturelle Bibliotheksarbeit berichtet von der diesjährigen Verleihung der Auszeichnung “Multiculturalism in Libraries Now Award, 2018-2022″ an die ECHO Mobile Library, einer Freiwilligeninitiative, die eine Fahrbibliothek für neun Flüchtlings- und Migranten-Communities in und um Athen betreibt und der Arbeit dieser Initiative.

Darüber hinause erfährt man Auswirkungen der Pandemie auf Bibliotheken, die interkulturelle Arbeit leisten, Projekte über bilinguale Bibliothekseinführungen in Indonesien und Wissensvermittelung in Sachen Rechtskompetenz in Sri Lanka.

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Newsletter der Sektion CPDWL vom Juni 2020

In ihrem aktuellen Newsletter vom Juni 2020 gibt die Sektion für Weiterbildung der IFLA einen Einblick in ihre teils virtuelle Arbeit der letzten Monate, Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedern der Sektion, weitere Infos zum geplanten Coaching-Lehrgang (siehe Meldung hier auf dem Blog vom 10.06.), Verschiebungen von Teilen des geplanten Weltkongressprogramms von 2020 auf das nächste Jahr in Rotterdam 2021, Weiterbildung in Zeiten von Corona und die Ankündigung eines Webinars am 14. Juli zum Thema Umgang mit Stress am Arbeitsplatz.

Ab Seite 10 finden Sie einem Beitrag von Ulrike Lang, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Mitglied in der CPDWL-Sektion)  in einem umfangreicheren internationalen Bericht über Auswirkungen auf den Arbeitsalltag in deutschen Bibliotheken während der ersten Coronawelle. Hier finden Sie auch Berichte aus weiteren Ländern.

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Kein Platz für Rassismus in einer Gesellschaft, die Bibliotheken mitgestalten

„Racism Has No Place in the Society Libraries are Working to Build“, lautet die Überschrift eines aktuellen Statements der IFLA-Präsidentin Christine Mackenzie und des Generalsekretärs Gerald Leitner. Als Reaktion auf den Tod von George Floyd verurteilt die IFLA alle Formen des Rassismus und wertet diese als Verstoß gegen die Menschenrechte und die Werte des Berufsstandes.

In der Erklärung heißt es weiter, Bibliotheken seien Institutionen mit dem Auftrag, das Leben der Einzelpersonen und Gemeinschaften, denen sie dienen, zu verbessern. Sie täten dies nicht nur durch die Ablehnung von Diskriminierung, sondern auch durch die aktive Förderung der Inklusion, indem sie allen eine sinnvolle Möglichkeit gäben, ihre Rechte auf Information, Kultur, Information und Wissenschaft zu verwirklichen. Rassendiskriminierung und rassenbedingte Gewalt – zuletzt im Fall von George Floyd, aber auch weltweit – haben in der Gesellschaft, die Bibliotheken mitgestalten, keinen Platz.

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der American Library Association und anderenorts steht die IFLA daher in Solidarität mit denjenigen, die rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sind. Dabei will man sich auch weiterhin für die Förderung von Bibliotheks- und Informationsdiensten einsetzen, um eine bessere Gesellschaft zu verwirklichen.

Hier geht es zum Statement vom 5. Juni 2020

Ankündigung zur IFLA-General-Assembly 2020

Gerald Leitner, Generalsekretär der IFLA, nimmt Stellung zur Verschiebung der IFLA-Generalversammlung, die wegen der Absage des WLIC in Dublin in diesem Jahr nicht zeitgleich dort stattfinden kann.

Man plant bis Ende Juli die Mitglieder über einen neuen Termin zu informieren. Die Generalversammlung soll noch vor dem 30. November 2020 stattfinden. Ob die Versammlung virtuell oder an einem Ort abgehalten wird, ist noch nicht entschieden. Die Einreichungsfristen für Anträge und Tagesordnungspunkte zur Generalversammlung wäre jetzt am 11. Mai gewesen und wird voraussichtlich ebenfalls verlängert.

Weitere Informationen

IFLA-Journal Volume 46, No. 1 (March 2020) ist online

Hier finden Sie den Link zur aktuellen Ausgabe des IFLA-Journals vom März 2020, diesmal ein Sonderheft zum Thema: Knowledge Management and library innovation in a changing world.

Die ausgewählten Artikel beschäftigen sich mit Best Practices, Innovationspotenzialen und Erfahrungen mit Knowledge-Management-Methoden und -überlegungen in verschiedenen bibliothekarischen Einrichtungen.

In der Einleitung heißt es „In a context where knowledge is considered the true strategic asset, it is not surprising that knowledge management (KM) emerges as one, if not “the” key approach to pursue innovation.“

IFLA Journal

Zur Sache: Bibliotheken nach der Pandemie

Auf dem IFLA-Library-Policy-and-Advocacy-Blog findet sich ein Beitrag, der sich mit der Zeit nach der Pandemie auseinandersetzt. Noch stecken Bibliotheken mittendrin, ihre digitalen Services auszubauen. Teilweise werden Öffnungen unter Auflagen wieder möglich. Klar ist jedoch, dass diese Pandemie-Zeit eine historische Zäsur mit sich bringen wird.

Der Blog listet 10 drängende Fragen auf, mit denen Bibliotheken sich auseinandersetzen sollten. Wie wirken sich die Restriktionen konkret aus? Werden bestimmte Onlineangebote bleiben? Ist die Finanzierung der Bibliotheken gesichert? Können Bibliotheken die Auswirkungen auf den Bildungsbereich abfedern? Ist die rechtliche Situation (bspw. Urheberrecht) ausreichend auf solche Momente vorbereitet? Welche Schwächen zeigt unsere digitale Infrastruktur? Kann der globale Austausch von Informationen vorangebracht werden? Kann man aus der Pandemie Lehren für mehr Nachhaltigkeit ziehen? Wird der Wert von Kultur sich verändern?

Auch Jill Hurst-Wahl von iSchools greift in ihrem Blogbeitrag auf „Digitization 101“ diese Fragen auf und ergänzt eigene Aspekte, wie etwa, ob Bibliotheken sich neu definieren müssten, ob der Wert der physischen Orte sich verändert, wie das Personal künftig arbeiten wird, und schließlich, wie Bibliotheken ihre Wert künftig leisten und bemessen. Im Hinblick auf eine künftige Bilanz über das Jahr 2020 werden einige dieser Fragen beantwortet werden müssen, so Hurst-Wahl.

Internationale Verbände fordern von der WIPO Schutz des Kulturerbes

Der 26. April ist traditionell der World Intellectual Property Day, der von der WIPO ins Leben gerufen wurde, um an die Bedeutung der Schutzrechte für Urheber, Patente,  Marken und geistiges Eigentum zu erinnern. Da der diesjährige Welttag für geistiges Eigentum sich Innovationen für eine grüne Zukunft zum Thema gemacht hat, haben die IFLA und ihre Partner in einem offenen Brief Regierungen und die Weltorganisation für geistiges Eigentum aufgefordert, das Kulturerbe einzubeziehen.

Es soll sichergestellt werden, dass Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums der Bewahrung des kulturellen Erbes angesichts des Klimawandels nicht im Wege stehen. Kulturelle Institutionen sollen in der Lage sein, den weiteren Verlust des weltweiten Kulturerbes durch steigenden Meeresspiegel, extremer Wetterereignisse und anderer Katastrophen rechtskonform zu verhindern und Sammlungen zu sichern, beispielsweise durch das Anfertigen von Kopien von Originalen.

Hinter der Forderung stehen fünf Organisationen: die IFLA, das International Council on Archives (ICA), das International Council on Museums (ICOM), Electronic Information for Libraries (EIFL) und die Society of American Archivists (SAA).

Der Brief ist von über 155 Organisationen und über 55 Einzelpersonen bisher unterzeichnet worden. Er ist noch offen für weitere Unterzeichner, die sich den Forderungen anschließen möchten.

Weitere Informationen

IFLA-Sektionen und Satellite Meetings gehen online

Aufgrund der aktuellen Pandemiesituation war das für den 24. April 2020 in der DNB Frankfurt geplante Midterm-Meeting der IFLA Cataloguing Section abgesagt worden. Die Sektion hat sich statt dessen virtuell getroffen. Renate Behrens (DNB), Mitglied der Gruppe, berichtet, dass die Überarbeitung der International Cataloguing Principles (ICP) unverändert fortgeführt wird.

Auch die beiden geplanten Satellite Meetings für den Sommer sollen nicht einfach ausfallen, sondern als virtuelle Veranstaltungen durchgeführt werden. Das von der Cataloguing Section und VIAF geplante Satellite Meeting zu Normdaten wird auf das nächste Jahr in Rotterdam verschoben. Die Kolleg*innen, die bereits einen Abstract eingereicht hatten, werden gebeten, dies im nächsten Jahr zu wiederholen. Anders sieht es beim geplanten „RDA in Europe“ Satellite Meeting aus. Diese gemeinschaftliche Veranstaltung des Committee on Standards, der Cataloguing Section und der European RDA Interest Group soll ebenfalls als virtuelle Veranstaltung in diesem Sommer stattfinden. Einzelheiten dazu werden in Kürze bekannt gegeben.

Hier ein Foto der Arbeitsgruppe ISBD Review im letzten Jahr in Athen (Foto: Christian Alivertiy)

UNESCO startet Umfrage zu Fortschritten bei der Erhaltung des kulturellen Erbes

Die UNESCO hatte 2015 Empfehlung über die Bewahrung des kulturellen Erbes und den Zugang zu diesem, auch in digitaler Form, veröffentlicht. Bisher stellt aber die Umsetzung dieser Empfehlung eine Herausforderung für viele Länder und Institutionen dar. Die IFLA unterstützt nun Bemühungen, diese Herausforderungen besser zu verstehen und die Bewahrung des Erbes in Form von Ideen, Schriften, Bildern und Erfindungen voran zu bringen.

Um die empfohlenen Schritte zum Schutz unseres dokumentarischen Erbes umzusetzen, ist es entscheidend, dass Regierungen und Gedächtnisinstitutionen (Archive, Bibliotheken, Museen und andere Bildungs-, Kultur- und Forschungsorganisationen) zusammenarbeiten. Die Institutionen müssen das Fachwissen, die Forschung und die Beratung zur Verfügung stellen, um bei der Festlegung von Auswahl-, Sammlungs- und Erhaltungspolitiken zu helfen, während die Regierungen durch Gesetze, Politik und Finanzierung handeln müssen.

Die UNESCO hat zu diesem Zweck eine Umfrage in Form einer Checkliste zusammengestellt, die die Empfehlung von 2015 Zeile für Zeile aufgliedert und dabei helfen kann, Bereiche zu kartieren, in denen die Regierung und die Institutionen des eigenen Landes beträchtliche Fortschritte gemacht haben und in denen noch Arbeit erforderlich ist.

Diese Checkliste soll nicht zu einem Vergleich zwischen den Ländern führen. Die Ergebnisse werden nicht öffentlich bekannt gegeben.  Sie wurde erstellt, um den Mitgliedern zu helfen, die unterschiedlichen Politiken und Praktiken ihrer Regierungen und Institutionen zu bewerten und erforderliche Maßnahmen zu ergreifen.

Hier geht es zur Umfrage zur UNESCO 2015 Recommendation Checklist.

Nähere Informationen hierzu auch direkt bei der IFLA.